Alexa+ ist da. Aber nicht für jeden. Schon gar nicht für Entwickler
Seit Anfang Mai 2026 rollt Amazon Alexa+ auch in Deutschland aus. Einladungsbasiert, schrittweise, als Early Access. Das klingt nach einem vorsichtigen Start - und das ist es auch. Wer aber hofft, dass sich damit etwas für Alexa-Entwickler getan hat, wird vorerst enttäuscht.
Was sich geändert hat - für Nutzer
Auf der Nutzerseite ist das Bild klar: Alexa+ bringt generative KI, ein Kontextgedächtnis über Gespräche hinweg und viele neue Funktionen. Man hat endlich das Gefühl, dass man nun mit Alexa so sprechen kann, wie es von Anfang an von Amazon versprochen wurde.
Für Prime-Mitglieder ist dieses Feature ohne Aufpreis enthalten. Wer kein Prime hat, zahlt 22,99 € pro Monat. Das ist kein Schnäppchen und ein klarer Versuch, interessierten Nutzern ein Prime-Abo aufs Auge zu drücken.
Funktional ist Alexa+ ist ein echter Schritt nach vorne. Keine Frage.
Was sich geändert hat - für Entwickler
Hier wird es dünn.
Amazon hat im Februar 2025, parallel zur Ankündigung von Alexa+, drei neue SDKs als Preview / Early Access vorgestellt:
- Alexa AI Action SDK: Für strukturierte API-Calls mit LLM-gestütztem Reasoning
- Alexa AI Web Action SDK: Für agentic Web-Navigation, wenn keine API vorhanden ist
- Alexa AI Multi-Agent SDK: Für eigene Agenten, die neben Alexa agieren
Das klingt gut. Das Problem: Wer diese SDKs als Entwickler nutzen will, landet auf einer Waitlist. Kein offener Zugang, kein neues Developer Dashboard, keine öffentliche Dokumentation, die über Marketing-Text hinausgeht.
Schauen wir uns an, wer aktuell tatsächlich offiziell integriert ist, dann lesen wir folgende Namen: OpenTable, GrubHub, Yelp, Tripadvisor, Ticketmaster, Uber.
Das sind keine kleinen Indie-Entwickler. Das sind Konzerne mit eigenen Entwickler-Teams und direkten Amazon-Partnerschaften. Amazon kooperiert beim Launch von Alexa+ offensichtlich selektiv mit großen Marken, die den Assistenten sofort mit echtem Mehrwert füllen sollen. Kleine Entwickler, Solo-Projekte, Community-Skills müssen warten.
Das alte Developer-Ökosystem schrumpft
Was mich mehr beunruhigt als der zögerliche Start der neuen SDKs und auch nicht zuversichtlich stimmt: Das bestehende Alexa Skills Kit wird über die letzten Jahre hinweg aktiv kleiner. Hier eine unvollständige Liste aus der offiziellen
Dokumentation:
- 13. Mai 2026 — Alexa Routines Kit / Pre-built Routines abgeschaltet
- 2026 — Amazon Pay für Alexa Skills nicht mehr verfügbar
- 21. August 2025 — A/B-Testing für Skills abgeschaltet
- 1. April 2024 — Alexa.Networking Interfaces abgeschaltet
- 1. Juli 2024 — Alexa List Management REST API + List Skills abgeschaltet — zusätzliche Belege: AnyList Notice, In The Hand Blog
- November 2024 — Skill-Templates für Alexa Smart Properties abgeschaltet
- Februar 2023 — Alexa.EventDetectionSensor Interface abgeschaltet
- Februar 2023 — Automatic Speech Recognition (ASR) Evaluation Tool und REST API deprecated
- 15. März 2023 — Alexa.MediaMetadata Interface abgeschaltet
- März 2023 — Business Skills (Alexa.Calendar, Alexa.MeetingClientController) abgeschaltet
- Oktober 2022 — Knowledge Skills und Knowledge Skill API abgeschaltet
- 31. Dezember 2021 — Alexa Gadgets Toolkit abgeschaltet
- 11. Juni 2021 — Education Skills und Alexa.Education Interfaces abgeschaltet
- 15. Juni 2020 — Echo Button Skills (GameEngine, GadgetController) abgeschaltet
- Mai 2020 — Baby Activity Skills und Alexa.Health Interfaces abgeschaltet
Einige davon sind alles andere als marginal. Das ist die aktive schrittweise Demontage des alten Ökosystems - ohne dass das neue System gleichzeitig für alle offen wäre. Eine Übergangsphase ohne Übergang.
Wie läuft das in den USA?
In den USA startete Alexa+ im Februar 2025, ebenfalls als Early Access, zunächst für ausgewählte Nutzer und Geräte. Erst Anfang Februar 2026 wurde Alexa+ dort für alle verfügbar. Für Entwickler gilt immer noch dasselbe Bild wie hier: Die neuen SDKs sind formell angekündigt, praktisch aber über eine Waitlist geregelt. Keine öffentliche GA-Ankündigung, kein “jetzt loslegen”-Moment für unabhängige Entwickler.
Wer in der US-Community nachfragt, bekommt Antworten wie: “Ich warte seit Monaten auf Zugang.” Das ist kein Ausrutscher, das ist Strategie.
Was das für uns bedeutet
Ich habe die letzten Jahre viel mit Alexa Skills gearbeitet. Das alte Modell hatte klare Schwächen: starres Intent-Schema, kein Kontext, begrenzte Möglichkeiten. Aber es war offen. Jeder konnte loslegen, publishen, iterieren.
Das neue Modell ist technisch überlegen. Aber der Zugang ist kuratiert. Amazon entscheidet, wer integriert wird und mitspielen darf - zumindest in dieser Phase. Ob sich das ändert und wann kleinere Entwickler Möglichkeiten bekommen, auf und mit Alexa+ zu bauen, das ist völlig offen.
Leider erlaubt es Amazon im Moment nicht, das einzuschätzen. Es gibt kein neues öffentliches Developer Dashboard, keine Roadmap, keine öffentliche Beta für Indie-Entwickler. Nur eine Waitlist-Seite und die Ankündigung, dass “more developers” folgen werden.
Fazit
Alexa+ in Deutschland ist ein Nutzer-Feature. Für Entwickler ist es vorerst eine Beobachtungsaufgabe. Die neuen SDKs existieren, sind aber in der Hand ausgewählter Großpartner. Das alte Skills-Ökosystem wird leiser.