Warum will jemand meinen Google Play Account kaufen?

Letzte Nacht lag eine interessante E-Mail in meinem Postfach. Ein gewisser Sergey von “Kivaro Devs” schreibt mir: Er habe gesehen, dass ich ein Google Play Entwicklerkonto besitze, das ich offenbar nicht mehr nutze. Seins sei gesperrt worden. Ob ich einen Verkauf in Betracht ziehen würde?

Ich habe vor einigen Jahren aufgehört, Android-Apps zu entwickeln. Nicht weil mir die Ideen ausgingen, sondern weil mich die fortlaufende Maintenance genervt und zu viel Zeit gekostet hat. Google ändert ständig die Anforderungen: Jedes Jahr ein neues Target-API-Level, dazu wechselnde Permission-Policies, neue Declarations in der Play Console. Wer nicht ständig nachzieht, dessen Apps verschwinden für neue Nutzer. Für Hobby-Projekte steht das in keinem Verhältnis zum Aufwand.

Mein Account existiert also noch, ist aber seit Jahren inaktiv. Und genau das macht ihn offenbar wertvoll.

Warum alte Accounts begehrt sind

Eine kurze Recherche hat mir die Augen geöffnet: Es gibt einen florierenden “grey market” für Google Play Console Accounts. Alte Accounts werden für dreistellige bis vierstellige Dollarbeträge gehandelt, teilweise mit bereits veröffentlichten Apps inklusive Signing Keys.

Der Hintergrund: Google hat Ende 2023 eine Testing-Pflicht für neue persönliche Accounts eingeführt. Da muss man durch, bevor man überhaupt veröffentlichen darf. Für seriöse Entwickler machbar, aber lästig. Für diejenigen, die massenweise KI-generierte Schrottapps in den Store pumpen wollen, ist das aber eine echte Hürde.

Ein alter Account wie meiner umgeht das alles. Er hat eine Vertrauenshistorie, kann sofort publizieren, fliegt unter dem Radar. Die Käufer nutzen solche Accounts für “Churn and Burn”: Hunderte Apps hochladen, Kasse machen, bis Google sperrt - dann den nächsten Account kaufen.

Warum ich nicht verkaufe

Abgesehen davon, dass es gegen die Google-Nutzungsbedingungen verstößt: Der Account ist mit meinem Namen und meinen Daten verifiziert. Wenn jemand darüber Malware verbreitet, zeigt die Spur zu mir und das ist nicht nur ein theoretisches Risiko.

Was mich eigentlich ärgert

Nicht der Scam selbst, sondern die Rahmenbedingungen, die diesen Graumarkt entstehen lassen. Google hat den Play Store zu einem bürokratischen Labyrinth gemacht, das kleine Entwickler systematisch benachteiligt. Ab September 2026 soll sogar eine vollständige Identitätsverifizierung für alle Entwickler kommen. Nachvollziehbar - aber die Eintrittshürde wird immer höher.

Professionelle Betrüger kaufen sich einfach den nächsten Account. Indie-Entwickler geben irgendwann auf. Das Ergebnis: weniger Vielfalt, mehr Macht für große Publisher mit eigenen Compliance-Teams.

Ich hätte durchaus Lust, wieder Android-Apps zu entwickeln. Aber die Vorstellung, alle paar Monate Updates nur deshalb rauszuschieben, weil Google die Regeln geändert hat - nicht weil sich funktional etwas verbessert - ist abschreckend.

Sergeys E-Mail habe ich ignoriert.



Warum will jemand meinen Google Play Account kaufen?
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Beitragsautor
Dr. Frank Börncke
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