Ein Rückblick und ein Blick nach vorn - Interview zu Private Prompts
Civic Coding hat ein ausführliches Interview mit mir zur Geschichte und zum aktuellen Status von Private Prompts veröffentlicht. Es ist gut, dass das wichtige Thema Datenschutz im Umgang mit KI immer wieder Sichtbarkeit bekommt.
Worum geht es?
Private Prompts war im vergangenen Jahr eines von zwölf Projekten, die im Rahmen des Civic Coding-Accelerators 2025 gefördert wurden.
Im Interview ging es einerseits um die Vorgeschichte des Projekts – wie aus einem konkreten praktischen Problem nach und nach eine Anwendung wurde – und andererseits um die Frage, welche Rolle der Austausch mit der Community in dieser Zeit gespielt hat.
Die Vorgeschichte
Die Idee zu Private Prompts ist aus einem Unbehagen entstanden, das vermutlich viele kennen, die mit KI-Tools arbeiten: Sobald ich Texte, E-Mails oder Dokumente an einen externen Dienst schicke, gebe ich Informationen aus der Hand. Was passiert mit diesen Daten? Wer kann sie sehen? Gerade bei personenbezogenen oder vertraulichen Inhalten wird daraus schnell ein echtes Dilemma.
Meine Überlegung war: wie weit kommen wir mit dem Ansatz, sensible Informationen schon lokal auf dem eigenen Rechner zu pseudonymisieren, bevor ein Prompt überhaupt das Gerät verlässt? So lassen sich KI-Werkzeuge weiter nutzen, ohne dass vertrauliche Details bei einem fremden Anbieter landen. Sie verlassen den eigenen Rechner nie.
Aus diesem Gedanken wurde zunächst ein privater Prototyp für den Eigenbedarf. Über die Förderung durch den Prototype Fund konnte ich dann mehrere Monate konzentriert daran arbeiten und das Ganze zu einer stabilen Desktop-Anwendung weiterentwickeln, die heute als freie Open-Source-Software kostenlos verfügbar ist. Die mediale Resonanz nach der Veröffentlichung – unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und im Deutschlandfunk – war für mich überwältigend und hat das Thema breit in die Diskussion getragen. Ich bekomme heute noch Post und Anfragen zu dem Thema.
Was Civic Coding beigetragen hat
Während der Prototype Fund die eigentliche Entwicklung erst möglich gemacht hat, lag der Schwerpunkt bei Civic Coding klar auf der fachlichen Begleitung. Beratung, Coaching und der Austausch mit anderen Projekten haben mir geholfen, einen Schritt zurückzutreten und den Stand des Projekts aus einer gewissen Distanz zu betrachten. Wenn man als Einzelentwickler lange tief in einem Thema steckt, ist genau das enorm wertvoll.
Ein wiederkehrender Punkt in den Gesprächen war die Frage nach der Zielgruppe – und damit verbunden die strategische Vision für das Projekt. Das Angebot kam für mich genau zum richtigen Zeitpunkt: weniger, um etwas Neues zu beginnen, mehr, um das Erreichte einzuordnen und die nächste Entwicklungsstufe vorzubereiten.
Aktueller Stand
In der heutigen Version richtet sich Private Prompts vor allem an Einzelanwenderinnen und Einzelanwender. Und das funktioniert gut: Prompts strukturieren, sensible Inhalte lokal pseudonymisieren, anschließend an die KI senden – ohne dass vertrauliche Daten den Rechner verlassen.
Das Feedback aus der Praxis zeigt aber sehr deutlich, dass viele das Thema längst weiterdenken. Sobald KI in Teams oder im Arbeitsumfeld eingesetzt wird, kommen zusätzliche Anforderungen ins Spiel: Verwaltung gemeinsamer Datenschutzregeln, geteilte Workflows, Integration in bestehende Systeme. Genau hier sehe ich den nächsten logischen Schritt – Private Prompts von einer reinen Einzelplatzanwendung zu einer gruppenfähigen Lösung weiterzuentwickeln.
Das Ziel dahinter ist eine technische Brücke zwischen den Möglichkeiten moderner KI-Dienste – die häufig aus den USA kommen – und den Anforderungen des europäischen Datenschutzes.
Was als Nächstes kommt
Die größte Herausforderung dabei ist – wenig überraschend – die Finanzierung dieser nächsten Entwicklungsphase. Ich bemühe mich derzeit aktiv um passende Fördermöglichkeiten. Wer aus diesem Umfeld einen Hinweis hat, darf sich gerne bei mir melden.
Ich bleibe am Ball und werde berichten.