Alteisen mit KI: ChatBox bringt freie Gespräche auf Echo-Geräte, die Alexa+ nie bekommen

Seit Oktober ist mein neuer Alexa-Skill ChatBox im deutschen Skill Store live. Einmal „Alexa, öffne ChatBox“ sagen, und dann redet man einfach weiter: Jeder Satz geht an ein Sprachmodell, die Antwort wird vorgelesen, das Mikrofon ist sofort wieder offen. Kein „Alexa“ zwischen den Sätzen. Genau das bewirbt Amazon gerade als großes Versprechen von Alexa+. Der Unterschied: ChatBox läuft auf der klassischen Alexa und damit auch auf den Geräten, die Alexa+ nie bekommen werden.

ChatBox

ChatBox öffnen 🇩🇪

Worum geht es genau?

ChatBox ist ein Gesprächspartner, kein Assistent. Dahinter arbeitet das Modell gpt-4.1-mini von OpenAI, das steht auch so in der Store-Beschreibung. Der Skill merkt sich das Gespräch über Sitzungen hinweg: Beim nächsten Öffnen fasst er in einem Satz zusammen, worüber man zuletzt gesprochen hat („Vor drei Wochen haben wir über schwarze Löcher gesprochen“). Er kennt Wochentag, Datum, Uhrzeit und Feiertage, weil sie bei jeder Frage mitgeliefert werden. Ostern und Advent werden berechnet, nicht geraten.

Die Persönlichkeit war mir wichtig: neugierig, warm, trocken witzig. ChatBox beginnt mit dem Interessantesten statt mit einer Definition und stellt nur dann eine Rückfrage, wenn sie sich ergibt. Das ermüdende „Möchtest du mehr wissen?“ nach jeder Antwort gibt es nicht. Ein Kind, das fragt, warum der Himmel blau ist, und ein Erwachsener, der nach Rayleigh-Streuung fragt, bekommen jeweils eine passende Antwort, ohne dass irgendwo ein Modus umgeschaltet wird.

Auf Geräten mit Bildschirm (Echo Show, Echo Spot) gibt es eine Chat-Oberfläche in APL: Sprechblasen, eine Antwort, die sich beim Sprechen eintippt, ein leuchtendes Eingabefeld als Signal „du bist dran“, drei antippbare Themenvorschläge, einstellbare Schriftgröße und eine Info-Seite mit transparenter Nutzungsstatistik. Ohne Bildschirm gibt es dasselbe Gespräch als reine Sprache.

Die Geräte, die Amazon zurücklässt

Amazon schreibt auf seiner Hilfeseite zur Alexa±Kompatibilität wörtlich: „These devices will never be compatible with Alexa+.“ Auf der Liste stehen unter anderem Echo 1. und 2. Generation, Echo Dot 1. Generation, Echo Plus 1. Generation, Echo Show 1. und 2. Generation und der runde Echo Spot von 2017. Diese Geräte bleiben dauerhaft auf der klassischen Alexa.

Und für die klassische Alexa hat Amazon den Skill-Entwicklern etwas zugesagt, im Developer Blog vom Februar 2025: „customers using the original Alexa experience will retain access to all your skills.“ Die Logik ist einfach: Alte Geräte bleiben auf der klassischen Alexa, dort bleiben alle Custom Skills verfügbar, also läuft ChatBox genau dort.

Ehrlich dazugesagt: Für diese Geräte gibt Amazon keine Zusage mehr für Sicherheitsupdates. In Amazons Tabelle zu den Sicherheitsupdates taucht keines von ihnen auf, der älteste Echo Dot darin ist die 3. Generation. Wer so ein Gerät weiter betreibt, sollte das wissen. Trotzdem: Ein Echo Show von 2017, der in der Schublade liegt, weil „der kann ja kein Alexa+“, muss nicht auf den Wertstoffhof.

Die Pointe: Auf alter Hardware läuft es in einem Punkt besser

Auf Geräten mit Alexa+ werden Reprompts bei keinem Skill ausgeführt. Der Reprompt ist die Nachfrage von Alexa, wenn man nach einer Antwort schweigt. Die Community dokumentiert solche Fehler im SkillDevs Issue Tracker, offen seit April, ohne Antwort von Amazon.

Mit Alexa+ geht nach der Antwort im Skill das Mikrofon einmal auf, bei Schweigen kommt keine Nachfrage, nach rund 30 Sekunden ist die Sitzung vorbei. Auf der klassischen Alexa funktioniert die Gesprächsschleife dagegen so, wie Amazon sie dokumentiert.

Die Ironie: Ein Gespräch ohne ständiges Weckwort ist ein Kernversprechen von Alexa+. ChatBox macht das mit den Mitteln der klassischen Alexa, und dort läuft es heute zuverlässiger.

Was ChatBox nicht kann

Das Wissen des Modells endet abhängig vom Sprachmodell Mitte 2024, und ChatBox sagt das bei Bedarf dazu („Stand 2024: …“). Es kann nichts nachschlagen: kein Wetter, keine Nachrichten, keine Öffnungszeiten. Es steuert kein Smart Home und stellt keine Timer.

Wer einen Timer braucht, sagt erst „Stopp“. Hier ist Alexa+ klar überlegen. Was man Chatbox sagt, geht als Text an OpenAI, und der Verlauf wird als Chat pro Gerät gespeichert, ist also für alle sichtbar, die dasselbe Gerät nutzen.

ChatBox ist kostenlos mit 20 Fragen am Tag. Den Preis dafür zahle ich privat. Alexa+ ist derzeit in Prime enthalten, kostet ohne Prime 22,99 Euro im Monat und läuft auf den alten Geräten gar nicht.

Fazit

Aus meiner Sicht zeigt ChatBox vor allem eines: Die klassische Alexa ist als Plattform für Custom Skills noch lange nicht tot. Ein Gerät von 2017 kann heute ein freies Gespräch mit einem Sprachmodell führen, mit Gedächtnis und Bildschirm-Oberfläche, auch wenn Amazon euch etwas anderes erzählt.

Wer so ein altes Gerät noch in der Schublade herumliegen hat: es kann noch reden!


Alteisen mit KI: ChatBox bringt freie Gespräche auf Echo-Geräte, die Alexa+ nie bekommen
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Beitragsautor
Dr. Frank Börncke
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